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MONATSBERICHTE

DER

KÖNIGLICH PREUSSISCHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

ZU BERLIN.

Aus dem Jahre 1874.

BERLIN 1875.

BUCHDRUCKEREI DER KGL. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN (G. VOGT) NW. UNIVERSITÄTSSTR. 8.

IN COMMISSION IN FERD. DÜMMLER's VERLAGS-BUCHIIANDLUNG. HARRWITZ UND GOSSMANN.

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MONATSBERICHT

DER

KÖNIGLICH PREUSSISCHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

ZU BERLIN.

Januar 1874.

BERLIN 1874.

BUCHDUUCKEREI DER KGL. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN (G. VOGT) UNIVERSITÄTSSTR. 8.

IN COMMISSION IN FERD. DÜMMLElt's VERLAGS-BUCIIHANDLUNG. HARRWITZ UND GOSSMANN.

Druckfehler - Berichtigung.

S. 119 Z. 19 u. 20 von oben lies „oder von West nach Ost" statt oder von Ost nach West.

S. 121 Z. 10 von oben lies „Lienz" statt Linz.

S. 126 Tabelle Z. 6 lies „Lienz" statt Linz.

MONATSBERICHT

DER

KÖNIGLICH PREUSSISCHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

ZU BERLIN. Januar 1874.

Vorsitzender Sekretär: Herr du Bois-Reymond.

5. Januar. Sitzung der philosophisch -historischen Klasse.

Hr. Curtius las über griechische Inschriften aus Kyzikos.

Hr. Dr. med. Julius Millingen in Constantinopel, welcher von seinem Vater James Millingen, dessen Verdienste um die Wissenschaft unvergesslich sind, ein lebendiges Interesse für Kunst und Alterthum geerbt hat und dasselbe durch seine Ausgrabungen im Heiligthume des Zeus Urios am Bosporus1) sowie durch seine archäologischen Aufsätze in den Schriften der griechischen phi- lologischen Gesellschaft in Constantinopel2) mehrfach bethätigt hat, übersendet mir vier Inschriften aus Kyzikos, indem er den Wunsch ausspricht, dass sie der K. Akademie der Wissenschaften vorgelegt werden. Indem ich mich dieses Auftrags entledige, be- gleite ich die Inschriften mit einigen Bemerkungen, wobei ich die schriftlichen Mittheilungen des Hrn. Millingen dankbar benutze.

*) Vgl. meinen Reisebericht über Kleinasien (Preuss. Jahrb. XXIX. S. 3).

2) Tou h Kwvata.vTivovn:o\zi *E\Xv]t/ixou $iko\oyixov cvXkoyov ra. rcepicrw- Sii/ra. Hr. Dr. Millingen hat als Philhellene den griechischen Befreiungs- krieg mitgemacht und war der Arzt von Lord Byron, der in seinen Armen gestorben ist.

[1874] 1

2 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

I.

Weihinschrift des Auxanon.

Auf der Basis einer zerbrochenen Säule. Jetzt im Hause des Hrn. Dr. Millingen in Böjükdere am Bosporos. Höhe der Buchsta- ben £ Zoll.

ArAGHTYXH

AYIANßNTPAJTEIEl THETHZnOAEJQEKAI rPAMMATEYET^nPß T^BAKX12NKYNOE0 PEITI2NT0ZKANKEAA0E AINEOHSI2N

Hr. Millingen hat mit Recht vorausgesetzt, dass diese Inschrift ein besonderes Interesse für die Akademie haben werde; denn es ist dieselbe, welche im Corpus Inscriptionum Graecarum Vol. II n. 3679 abgedruckt ist, aber nach einer so mangelhaften Abschrift, dass sie dem Herausgeber ganz unverständlich bleiben musste.

Anstatt des früher Lesbaren («M^ßT] ^%X\ [w]y ^[a]?^^]

sityjq TYJg noXs[w\g hu) ygocwJLu-evg - -) können wir jetzt die ganze Inschrift folgendermassen lesen:

'A<y uSy rvyY\ Av£av(jji' r^aTTi^str^g rrjg 7to?,£U)g y.at yaai^arsvg riZv 7t^ix>tüov Bux%uji> Kvvoa-ovgeiTijjv rovg Huyxe?J>ovg

CCVzB'YiXSl'.

Bei der Eingangsformel kann es zweifelhaft sein, ob sie die Gottheit bezeichne, welcher die Weihung gilt (wie C. I. Gr. n. 2510: o BsTucc to ooooXoyiov Tv%cc 'AyuBa hui 'AyuSuj Auipoui iBgvtruTo und n. 2672: Ty'AyuSy Tvyji) oder nur als solenne Formel aufzufassen sei, welche gerade in Kleinasien häufig auch auf solchen Inschrif- ten vorkommt, welche keinen öffentlichen Charakter tragen. So

vom 5. Januar 1874. 3

auch bei Weiheinschriften. Vgl. die bithynische Inschrift <Wtf n-WI A„ E?«,* bei Perrot GaIa(ie j p 55_ Jn dieger We.se wer-

den wir anch hier den Anfang der Inschrift denten.

Gegenstand der Weihnng sind Schranken (cancelli, plutei -£*.4.c) welche zur Einhegung eines heiligen oder eines zu Staatsgeschaften und zum öffentlichen Verkehre benutzten Raums

m t der rff* ^ *" M~^ «-n Bruchstück mit der Inschnft „bng ist, zu der darin erwähnten Anlage

GrünnT PerS°",^S Weil'»"en, welche den charakteristischen

Ste lut "Z *T. trtgt' ^ dUrdl S6ine amÜiche U"d ^

we r Von? "nW1 t Er ^ ^^ ** ""*»>> ->*» ent- weder Vorsteher emer Staatsbank, wie der Vater des Cynikers Diogenes (D.og. L. VI 2, 20), der als Vorsteher der »4?7£ M~« m,t der Emission von neuem Gelde zu thun hatte*) oder

äw staat priviiesirter B* ** * «» *■*

Eine zweite Würde bekleidete er als Beamter eines kyzikeni- schen Collegtums, das den Namen der ^„ ^ KwoL^,

Den Dionysosdienst in Kyzikos kennen wir durch die dort auf gestellte Bddsäu.e des D. raugi^ (Athen. 476), und ans de" Inschnft des Dionysodoros (C. I Gr 368^ * ,f

einen zweite. Dionysos ,_U ^«g d IVo^^ Kyztkos einheimischen Kybelecultus ist der vorderasiatische D Z des Dionysos aufs Engste verbunden. Von KybeL soU er M erhalten und die Weihen erlernt haben; von S^S^S

aus emer smyrnäischen Inschrift (C. I. Gr 3190- J ' ~ Z

§ 48, 13.

W über Staatsbanken g(ark jn Hermanns QriecK privatatert

4 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

ßccTTuov neu ßuxyjtg tov Ssov) als Bezeichnung einer priesterlichen Würde kennen.

In unserer Inschrift erscheinen die Bakchoi als Mitglieder einer jener religiösen Genossenschaften, deren im hellenistischen Kleinasien weit verbreitete Spuren neuerdings von Wescher in seinen Inscrip- tions de Rhodes, von Foucart in seiner Schrift Des associations religieuses chez les Grecs und von O. Lüders (Die Dionysischen Künstler) behandelt worden sind. In Kyzikos müssen mehrere bak- chische Corporationen, wie sie sonst unter dem Namen der Aiovv- (tiocttcc! oder als o-vvoüog rwv ns^t rov Atovv?ov bekannt sind, vor- handen gewesen sein, da diejenige, in deren Vorstande Auxanon das Amt des Schriftführers bekleidete, eine zwiefache nähere Be- zeichnung trägt, TTguTct und Kvvoctovos7tcu.

Kvitorovge7g kommt als Name von Gaugenossen in Arkadien, La- konien und Megara vor. Hr. Millingen erinnert an Plutarch Quaest. Gr. 17 und meint, dass der Gauname, nach welchem sich die Cor- poration benennt, von Megara nach den pontischen Colonien über- tragen worden sei und von da nach Kyzikos. Man kann aber auch annehmen, dass von Megara, dessen Dionysoscult auf Athen einen so frühen und nachhaltigen Einfluss gehabt hat, der Name nach Athen, von Athen nach Milet und von Milet nach Kyzikos ge- wandert sei, wo wir ja so viele altattische Institutionen in merk- würdiger Treue erhalten finden.

Die manierirte Form der Schrift, die Ligaturen und die Be- nutzung der runden Buchstaben (O O ß), um in dieselben den fol- genden Buchstaben hineinzuschreiben (C. I. Gr. n. 2007 Franz. Elem. p. 353), zeigen, dass die Inschrift der späteren Kaiserzeit angehört.

II.

Grabschrift der Maiandria, der Tochter des Bakchios.

Entdeckt von Dr. Long in der Mauer einer Moschee zu Aidin- dschik, einem Flecken 6 Stunden von Panormos. Dann auf Anlass von Dr. Millingen abgeschrieben von einem Armenier und von Hrn. Dr. Limnios. Beide Abschriften von Dr. M. verglichen stimmten völlig überein.

vom 5. Janiiar 1874.

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6 Sitzung der philosopJüsch-historischen Klasse

Unter der Überschrift sieht man in flachem Relief das Bild einer Frau, welche auf einem Stuhle sitzt. Eine zweite daneben stehende Figur ist zerstört. Die dialektischen Formen, welche freilich nichts weniger als strenge durchgeführt sind, zeigen, dass Maiandria aus einem Lande dorischer Zunge stammte, von wo sie ihrem Gatten nach Kyzikos gefolgt ist.

Die Form sikotst&q kommt auch in der Anthol. Pal. VII 166 vor; stxoTSTYiOig bei Dio Cass. LVIII 24.

MaiavSoiYiQ TY\g BaKyJov.

$>EQG'e(pGva tv (p&EQyov äireTTTcureg dv&oog oltt evvyg

otaotTov ig d-varcvg äXiKiav SeyLevct eiKOTsriv, rcc nct^Acg d(f)U)oi<r£ Kwolg iv aTToig,

dXXa tv%y\ trnoXioig $oyfjLa<rtv Y[VTiaTev, 5 ovveaev uAAcdaTFuv MatavooiYj vjAu-S'E yuTav

uvSol (piAocrrooyovg ieiKvvfJLeva yjioirag- avS? dv (jlol ro fj.\'Y\fj,a 7TG<ng KTijev, cvvsy^ du civtw

EK$YiiJ.og yevofj.av TraroiSa XenrofJLeva, $£0T£(pcvag &3 d&tavXov V7ro (TTvysoov ^ifjLov y\a3-ov 10 7Tav<Ti7rovu) ActS-ag ÄGverafAsva 77Cfj.ari.

^1 H NOEGAPrjH AlflNOI

berioht 1874,

III.

EninAYZANIOY [MHNOZGAPrjHAinNOE

EAO£ENTHIBOYAHIKAITi2IAHMi2l En I A H M H T P I O YEinENEnEI

ANTnNIATPY*AINABA£IAEnznOA[EMnNOZKAIBAZIAIZZHZnYOOAnPIAOZ]OYrATHPTONAinNIONTOYMEriZTO GEilNTIBEPlOYZEBAZTOYKAIZAPOZOIKON AlAriANTOZEYZEBOYZAZY NK AOIEPÄZ

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IV.

EnirAlOYKAIZAPOZinnAPXEßlMHNOZGAPrHAIflNOZG EAOiENTßlAHMniEIZHrHZAMENnNTilNAPXONTriNnANTßNrPAMMATEYZBOYAHZAlOAOZAlOAOYOlNnYMEZHZEni MHNO<DftNTOZEinEN Ell E I ONEOZH AIOETA I OZKA I ZAPZ EBAZTO ZTEPM ANIKOZZYNANAAAMYAITAIZIAIAIZAYTAIZKAI TAZAOPY*OPOYZTHZHrEMONIAZH()EAHZENBAZIAHAZINAAYTOYTÖMErAAEIONTHZAGANAZIAZKAIENTOYTniZEMNOTE PONHBAZIAEßNKANnANYEniNOnZINfilZEYXAPIZTIANTHAIKOYTOYGEOYEYPEINIZAZAMOIBAZOIZEYHPrETHNTAIMHAY NAMENnNTOYZKOTYOZAEnAIAAZPOIMHTAAKHNKAinOAEMßNAKAIKOTYNZYNTPO<l>OYZKAIETAIPOYZEAYTnirErO NOTAZEIZTAZEKnANTnNKAinPOrOMlNAYTOIZO<DEIAOMENAZAnOKA0EZTAKENBAZIAEIAZOIAZTHZAGANATOY XAPITOZTHNA*GONIANKAPnOYMENOITAYTHITIiNnAAAIMEIIONEZOTIOIMENnAPAnATEPnNAIAAOXHZEZXONOYTOI AETHZTAIOYKAIZAP OZXAP I TOZE I ZZYNAPXI ANTHA I KO YTflNOEflNrErONAZ I BAZ I AE I ZOEflNAEXAP I TEZTO YTflA I A*EPOY ZINAN0PiiniNnNAIAAOXflNßHNYKTOZHAIOZKAITOA*GAPTONGNHTHZ<t>YZEßZMErAAI2NOYNrErONOTEZMEIIONEZ KAIAAMnPnNGAYMAZIilTEPOIEIZTHNHMETEPANnAPArEINONTAinOAlNPOIMHTAAKHZKAinOAEMnNZYNIEPOYPrHZON TEZKAIZYNEOPTAZONTEZTHIMHTfjlEniTEAOYZHTOYZTHZGEAZNEAZA<J)POAEITHZAPOYZIAAHZArnNAZOYXnZ EIZ*I AHNMONONAAAAKAIßZEIZrklHZIANnATPIAAOTIKAIHBAZIAEnNMENGYrATHPBAZIAE.aNAEMHTHPHMHTHP AYTßNTPY<DAINATAYTHNHrHMENHniATPlAAOIKOYTETOE<l)EZTIONKAIBIOYTOEYTYX[EZANEME]ZHTOIZENEYAAIMO N H Z O YZ ATEKNft N BAZ I AE I AI ZENTAYOA I AP YTA I OAEAHMOZHAIZTHNHrOYMENOZTHNENAHMIANAYTÄNMETAriAZHZ nPO0YMIAZnPOZETA£ETOIZAPxdYZIYH*IZMAYnANTHZEßZEIZHrHZAZOAIAYTOIZAIOYEYXAPIZTHZOYZIMENE nAYTÜNTHIMHTPlAYTßNTP Y *A I N H I Y n E P ilNEYEPTETE I NBEBOYAHTA I THNTTOA I N*ANEP . NAEKAITHNTOYAH MOYEIZAYTOYZnOIHZONTAIAIA0EZINAEAOXOAITniAHMniEnHNHZOAIMENTOYZBAZIAEIZPOIMHTAAKHNKAinO AEMi2NAKAIKOTYNKAITHNMHTEPAAYTnNTPY<|)AINANYnOAETHNEIZOAONAYTnNTOYZMENIEPEIZKAITAZIEPEIAZANOI lANTAZTATEMENHKAinPOZKOZMHZANTAZTASOANATnNOEflNEYIAZOAlMENYnEPTHZrAlOYKAIZAPOZAIXlNIOYAlA MONHZKAITHZTOYTÜNZnTHPIAZKYIlKHNOYZAEnANTAZENAIKNYMENOYZTHNEIZAYTOYZEYNOIANYnANTHZANTAZ METATilNAPXONTßNKAITnNZTE<DANHO)OPilNAZnAZAZ0AITEKAIZYNHZ0HNAIKAinAPAKAAEINAYTOYZIAIANHrEIZ0AinATPIAATHN nOAINKAinANTOZAITIOYZrEINEZ0AIAYTHArA0OYArArEINAEEniTHNYnANTHZlHKAITONE<DHBAPXONTOYZEcpHBOYZKAITON nAIAONOMONTOYZEAEY0EPOYZnAIAAZTOAEYH<l>IZMAEINAinEPITEYZEBEIAZTHZJEIZTONZEBAZTONKAITHZEIZTOYZ B AZ I A EAZTE IM H Z

vom 5. Januar 1874. 7

III und IV.

Ehrendenkmal der Kyzikener für Antonia Tryphaina und ihre Familie.

(s. Anlage.)

Diese Inschriften stehn auf einer Marmortafel, welche 1872 von Dr. Long in der Vorderseite einer Fontäne in dem türkischen Dorfe Tscharik-köi, 5 Stunden von Artaki, entdeckt und abgeschrieben wurde. Der Stein ist dann nach Constantinopel in das öffentliche Museum der Irenenkirche gebracht; hier hat Hr. Dr. Millingen sie von Neuem abgeschrieben, und dann hat Hr. Dr. Schröder, Dol- metscher bei der Kais. Deutschen Gesandtschaft daselbst, die Güte gehabt, ein ungemein sorgfältiges Facsimile des ganzen Inschrift- steines in halber Grösse des Originals für mich anzufertigen und ausserdem noch einen Papierabdruck mir zuzustellen, der für die zweite Inschrift vollkommen gelungen ist.

Die Länge der Doppelinschrift beträgt 1,24, die des Marmor 1,27; die Höhe der Inschrift 0,84, die des Marmors 0,86; die Dicke der Platte 0,18.

Von Nr. III sind nur die fünf unteren Zeilen vollständig. Oberhalb derselben befindet sich in der Mitte des Steins ein run- des Loch, welches eingehauen worden ist, um die Röhre eines Lauf- brunnens aufzunehmen, und da der Stein umgekehrt in die Fon- täne eingemauert worden war, ist der obere Theil der Inschrift mit einem Niederschlage von Kalk überzogen, welcher die ganze Mitte der Urkunde unleserlich macht. Was Hr. Schröder an Buch- staben noch erkannt zu haben glaubt, habe ich, in Klammern ein- gefasst, aufgenommen.

Die Buchstaben sind gut und scharf eingemeisselt, mit den dem Geschmacke jener Zeit entsprechenden Verzierungen, indem alle senkrechten und alle horizontalen Linien am Ende mit kleinen Strichen versehen sind (f, 0, \Q/, JC)* ^ie Ergänzung der Lücken wird dadurch erschwert, dass die Zeilen ohne bestimmtes Prinzip bald weiter bald enger geschrieben sind. An Nachlässigkeiten mancherlei Art fehlt es nicht. Dahin gehört Nr. IV lin. 1 innAPXEHl (für innA-PXEß; eben so auch im C. I. Gr. II n. 3668), III, 6 ENTHinEPXY, wie es scheint, für Trtgvtn; IV, 10 HH oder ßN für ߣ, wo Dr. Schröder noch den Versuch einer Correktur zu

8 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

erkennen glaubt, welche wegen der Sprödigkeit des Materials nicht gelungen sei. Das Iota subscriptum wird willkürlich gesetzt oder weggelassen. Die Unsicherheit der Aussprache zeigt sich in Formen wie TE IN ECO AI u. a. Die Zeilen fangen, wie es in der römischen Zeit gewöhnlich ist, mit ganzen Silben an, nur IV, 17 macht eine Ausnahme.

Beide Inschriften beziehen sich auf die Tochter des Königs Polemon und der Königin Pythodoris Philometor und dienen dazu die Geschichte dieser Familie, welche neuerdings nach Münzen und Inschriften vielfach behandelt worden ist1), in wesentlichen Punk- ten zu vervollständigen.

Mommsen hat in der Antonia, welche den fürstlichen Rang der Familie begründet hat, die älteste Tochter des Triumvirs An- tonius von seiner zweiten Gemalin Antonia nachgewiesen, die um 34 v. Chr. dem reichen Asiarchen Pythodoros vermalt worden sein muss. Aus dieser Ehe stammt Pythodoris, welche Polemon zur Frau nahm, der Sohn des Rhetors Zenon aus Laodikeia, da- mals regierender König von Pontus c. 12 v. Chr. (Str. 578). Wäh- rend einer vierjährigen Ehe (Polemon starb 8 v. Chr.) gebar sie zwei Söhne und eine Tochter, welche mit Kotys verheirathet wurde.

So trat das durch Antonius gross gemachte kleinasiatische Geschlecht mit dem in der Gegend von Abdera einheimischen Ge- schlechte der Sapäer in Verbindung, das sich am Ende der Bür- gerkriege durch kluge Politik in der Herrschaft von Thrakien fest- zusetzen gewusst hatte. Rhoimetalkes war noch in letzter Stunde von Antonius zu Augustus übergegangen, ein Mann von philhelle- nischer Gesinnung, welcher ganz Thrakien, soweit es noch als ein unabhängiges Land gelassen war, unter sich vereinigte und solches Ansehen besass, dass auch die Athener es für gerathen hielten, ihre alten Beziehungen zu den thrakischen Königen wie-

!) Köhne, Musee Kotschubey II 392 (Genealogie des Zenonides). Vgl. Memoires de la societe Imperiale d'Archeologie 1852 p. 249. Waddington Melanges de num. 2, 45. A. v. Sallet Beitr. zur Gesch. der Numismatik des Kön. des Bosp. etc. Th. Mommsen in der Ephemeris Epigr. 1872 p. 240.

vom 5. Januar 1874. 9

der anzuknüpfen und ihn sogar zum Ehrenarchonten ihrer Stadt machten1).

Nach seinem Tode theilte Augustus das Reich und gab die eine Hälfte an Rheskuporis, den Bruder, die andere an Kotys, den Sohn des Rhoimetalkes. Die Landeshälften waren ihrer Beschaf- fenheit nach eben so ungleich wie die Charaktere der Fürsten und ihre politischen Richtungen. Denn die verschiedenen Fami- lienzweige pflegten sich bei diesen Halbbarbaren darnach zu unter- scheiden, dass die einen ihre Aufgabe ganz in der Aneignung und Verbreitung hellenischer Cultur fanden, während andere durch Anschluss an das Nationale und trotzige Abwehr alles Fremden sich eine Partei zu bilden suchten.

Kotys ist als begeisterter Philhellene und griechischer Dichter bekannt. Ihm gelten Ovids berühmte Verse: didicisse fideliter ar- tes u. s. w. und das Lobgedicht des Antipatros von Thessalonike2); er hatte die Thaten der römischen Feldherren, deren Bundesge- nosse sein Vater gewesen war, besungen. Die beiden Theilfürsten kamen mit einander in Krieg. Rheskuporis, welcher auf die ab- gelegeneren und unwirthbaren Distrikte des thrakischen Gebiets angewiesen war, bedrängte seinen Neffen. Tiberius verlangte Nie- derlegung der Waffen. Kotys wurde ein Märtirer seiner Loyalität, indem er wehrlos in die Hände des Gegners gerieth und von ihm den Tod erlitt. Die Witwe verklagte den Mörder im römischen Senate 14 n. Chr.; er wurde verurteilt und nach Alexandreia ver- wiesen, während die Kinder unter Vormundschaft des Trebellienus Rufus gestellt wurden.

Aus den vorliegenden Inschriften erfahren wir nun, dass die in den literarischen Quellen ungenannte Frau des Königs Kotys, welche nach Vaillant's von Köhne gebilligter Vermuthung den Na- men ihrer Mutter Pythodoris getragen haben sollte, Antonia Try- phaina hiess. In Betreff ihrer Nachkommenschaft hatte Cary

1) Ross Demen S. 36. Bei ihm finden wir auch das Clientelverhältniss auf den Münzen in der Weise ausgedrückt, dass die Vorderseite den Seba- stos, die Rückseite den Fürsten darstellt, und wenn derselbe seine Frau mit aufnimmt, wird neben Augustus Livia dargestellt.

2) Brunck Anal. II 111. Anthol. Planud, IV 75,

10 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

(Histoire des rois de Thrace p. 78) gegen die Autorität von Taci- tus und Strabo die Meinung aufgestellt, dass nur ein Sohn vor- handen gewesen sei, Kotys, der seinem Vater in Thrakien gefolgt sei. Jetzt wissen wir, dass es drei Söhne waren, mit denen sich die Witwe des Kotys in den Schutz der Römer stellte, mit Na- men Rhoimetalkes, Polemon und Kotys. Wir werden also wohl nicht fehl gehen, wenn wir bei Strabon, der über das Haus der Pythodoris genau unterrichtet war und ein besonderes Interesse für dasselbe hatte, S. 556 (Kramer II 543, 7; Meineke p. 780, 24) zu lesen vorschlagen: jratBccg s%ov3*# c<Crov rgs7s' Bvvcerrsvet 8s. o 7rasrßvTa-og avToou. Wir dürfen ferner den Schlnss machen, dass die Ehe zwischen Kotys und Antonia Tryphaina wenigstens vier Jahre bestanden hat, von 15 bis c. 19 n. Chr.

Dr. Millingen hat in den Bemerkungen, mit welchen er seine werthvolle Zusendung begleitet hat, die Zeit der beiden Urkunden darnach bestimmt, dass Antonia Tryphaina in der obern Inschrift unverheirathet ist, in der zweiten aber mit ihren drei Söhnen zu- sammen genannt wird; er hat darnach die erste vor das Jahr 15, die zweite, welche zu Lebzeiten Caligulas abgefasst ist, wegen Er- wähnung der vergötterten Drusilla in das Jahr 39 n. Chr. gesetzt.

Beide Urkunden sind auch dadurch lehrreich, dass sie uns die Nachkommen der Pythodoris in den nächsten Beziehungen zur Stadt Kyzikos zeigen und dass sie auf die inneren Verhältnisse dieser Stadt im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, ihre Heiligthümer, ihre Feste und ihren Verkehr sowie auf ihre Be- ziehungen zum Kaiserhause ein neues Licht werfen.

In Kyzikos finden wir zu jener Zeit, ebenso wie in den nor- dischen Reichen, eine zwiefache Strömung, nach welcher sich das Verhalten der Römer zu der Gemeinde bestimmte.

Eine der reichsten und blühendsten Städte der alten Welt, hatte sich Kyzikos zu dem pergamenischen Reiche als eine freie Reichsstadt in einer ungemein vortheilhaften Lage befunden, und wie von den Pergamenern, so war die Stadt auch von den Rö- mern in Folge ihres Verhaltens im mithradatischen Kriege mit ausgezeichneter Gunst behandelt. Aber die Haltung der verwöhn- ten uud üppigen Stadtgemeinde war eine sehr unzuverlässige, zwi- schen trotzigem Eigenwillen und niedriger Unterwürfigkeit hin- und herschwankende. So kam es, dass dieselben Fürsten, welche die von Pompejus verliehenen Privilegien im vollen Umfange bestätig-

vom 5. Januar 1874. 11

ten, sich wiederum zu den strengsten Mafsregeln genöthigt sahen. Nachdem Augustus den Kyzikenern ihre Privilegien auf eine Zeit- lang genommen hatte, erfolgte unter Tiberius ein zweites Strafge- richt wegen der incuria caeremoniarum Augusti (Tac. Ann. IV 36), welche namentlich darin bestand, dass ein dem Divus Augustus zu Ehren begonnenes Heroon absichtlich unvollendet gelassen wurde (Dio C. LVII 24. Marquardt Cyzicus S. 82).

Als treue Anhänger und eifrige Förderer des Cäsarencultus, welchem auch in den asiatischen Colonien noch immer ein Über- rest republikanischer Gesinnung widerstrebte, dienten die fürst- lichen Familien, welche, aus der Aristokratie der hellenistischen Städte ihres Reichthums und Einflusses wegen hervorgezogen, rö- mischen Machthabern ihren neuen Rang verdankten, und in die- ser Richtung sehen wir auch Antonia Tryphaina, die Tochter der Pythodoris, die Enkelin des Rhetors Zeno, bei den Kyzike- nern mit besonderem Eifer thätig. Sie erscheint hier als ii,l Be- sitz eines von den Bürgern ihr übertragenem Priesterthums der Livia und bethätigt ihre Frömmigkeit gegen die neue Götterdyna* stie, das Haus des Tiberius, indem sie ein Bildniss der Mutter dieser neuen Götter im Tempel der Burggöttin geweiht hat. Die Bezeichnung der Mitglieder des regierenden Hauses mit ol Ssoi war, wie an anderem Orte nachgewiesen ist1), schon im pergamenischen Reiche üblich gewesen und nach Art der Attaliden wurden nun die Julier mit den älteren Landesgottheiten verbunden. Die neuen Cultstätten wurden den älteren angebaut, so dass diese eine pracht- volle Erweiterung erfuhren, wie dies in Pergamon2) der Fall ge- wesen ist, oder es wurde im Temenos ein neues Heiligthum auf- geführt, wie das Sebasteion bei dem Artemision in Ephesos ge- wesen zu sein scheint. In Kyzikos wurde also die Livia als eine T-uwuog der Burggöttin eingeführt und mit ihr geweiht (jTvyxaS-ti- jwT£p), ein Ausdruck, welcher eine Gemeinsamkeit des Cultus an- deutet. Für diesen Anschluss gab es verschiedene Formen und Grade, je nachdem das neue Bild mit dem der Göttin gleiche Grösse erhielt und gleicher Ehren theilhaftig wurde (aycc).iJ,cc Wo- Imt£y,tqu im tcuq o\xotmg ti\j.cuq Uouj&cv Dio Cass. LIX 11) oder wie

J) Beitr. zur Gesch. und Topogr. von Kleinasien S. 62, 2) Adler a. a. 0. S. 61,

12 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

ein Heroenbild der Gottheit zur Seite gestellt wurde, wie etwa Pandrosos neben Athena. In unserem Falle müssen wir eine Gleich- stellung mit der Athena annehmen, da Tryphaina am Schluss der Inschrift Priesterin der Sebaste Nikephoros genannt wird; es wird ihr also dasselbe Prädicat beigelegt, welches der Burggöttin in Ky- zikos wegen ihres im mithradatischen Kriege geleisteten Beistandes gebührte (Marquardt S. 132). Derselbe Beiname kommt in Perga- mon vor (Beiträge S. 53). Für Livia ist er, soviel ich sehe, bis jetzt nicht bezeugt.

Wie die Heiligthümer und Namen, so theilen die neuen Göt- ter auch die Feste der Athena; die Panathenäen heissen daher sogar mit Voranstellung der neuen Ankömmlinge y, 7rai>Y,yvotg Hat äreXzia y, etyo\xkvYi Iv Kv^ixw roh ^,sßaorTc7g neu rrj Ilo?uccBt 'A^yjvcc.

Die Einführung des Cäsarencultus war ohne Zweifel nicht nur mit erhöhtem Festglanze, sondern auch mit mancherlei Verkehrs- erleichterungen verbunden, um die Neuerung populär zu machen, und deshalb genossen diejenigen, welche für die Neuerungen thätig waren, die besondere Sympathie der Kaufleute und Gewerbtreiben- den, welche ihre Waaren bei den Festen ausstellten. Auch Mai- andria, des Bakchios Tochter (S. 6), scheint als Gewerbtreibende mit ihrem Mann nach Kyzikos gekommen zu sein, wie das Beiwort tpiXsoyog andeutet. Die Römer suchten Kyzikos als eine Welt- stadt zu heben und die besondere kaufmännische Bedeutung der kyzikenischen Panathenäen, die wir hier zuerst kennen lernen, geht schon daraus hervor, dass der Namen aAXsia (Freimarkt) das Fest selbst bezeichnet. Daher gehörte es mit zum Berufskreise der Priesterschaft, für die Jahresmesse zu sorgen und Alles zu thun, um für die Masse der Festbesucher gastliches Unterkommen zu schaffen, wie es der (j.yi-£07to}.iq rqg 'Ariag würdig war. Daher wird ihre persönliche Theilnahme gerühmt, ihre mit grösster Gastlich- keit Q/.S7U TrctrYig c(7To8o%YJg) verbundene Leutseligkeit gegen Einhei- mische und Fremde, und (wenn ich richtig lese III, 9) auch die Sorgfalt, mit der während ihrer Abwesenheit Alles vollständig für das Fest vorbereitet war. Es gab für die ganze Provinz gemein- same Feste in Kyzikos, welche den Namen führten ro xcwov r^g 'Aö-lccg; sie hatten ihre besondere Behörden in dem Asiarchen und dem agy^isgsvg ~Ytg 'Aa-tug, ihren örtlichen Mittelpunkt in dem vetog Tvjg 'Äartccg. Diese Feste sind dieselben wie die 'A^ißw«« 'OAJf/7rtnf, deren Stiftung in das Jahr 135 nach Chr. fällt. Vgl. C. I. Gr.

vom 5. Januar 1874. 13

3674. Ob diese Stiftung sich an ein älteres Fest anschloss, lässt sich nicht erweisen. Nach unserer Inschrift erscheint das Pana- thenäenfest als dasjenige, au welchem die Provinzialen in Kyzikos zusammenströmten, und darum ist es die Priesterin der mit Athena verbundenen Livia, welche sich um die Festgenossen verdient macht.

Den Dank spricht dafür die Genossenschaft der gewerbtrei- benden Messfremden aus Asien (o* äno rvjg 'Acrlug koyctcr-ui III, 13 ol a7ro ?Y\g "Acriag igyccarrui s\xtto^oi xcct ^zvot, wie vielleicht III, 9 zu ergänzen ist) Antonia auch in einer dem römischen Geschmacke entsprechenden Weise, nämlich in Form eines Schildbildes aus, eines ottXov etHavtxov, wofür die üblicheren Ausdrücke slttwv evo7r\og oder eUtw iu ottXuj sind. C. I. 424. 2059. 2771 A). Da ygairTr, nicht dabei steht, können wir nur an ein Relief bild denken. Merk- würdig ist, dass on\ov wie clipeus an und für sich das Kunstwerk bezeichnet. Das Bild soll im Tempel aufgestellt werden und die Urkunde III enthält das Dekret von Senat und Volk, welches zu der beabsichtigten Aufstellung die Erlaubniss giebt. Die Platte, auf welcher es geschrieben ist, war an der Vorderseite des Posta- ments eingelassen, auf welchem das Bildniss im Tempel der Göt- tin aufgestellt w7ar.

Gehen wir nun auf den Inhalt der zweiten, ungleich besser erhaltenen und vollständig lesbaren Inschrift über, so handelt es sich hier um dieselbe Antonia Tryphaina und ihre Familie, um dieselbe Stadt Kyzikos und ihr Verhältniss zu den römischen Cä- saren. Aber wie haben sich innerhalb der etwa 24 Jahre, welche in der Mitte liegen, die persönlichen und öffentlichen Verhältnisse verändert, wie ist auch der Stil der zweiten Inschrift ein so ganz anderer I

Es kommt gewiss selten vor, dass zwei Inschriften, welche auf einem Stein stehn, zusammen ein solches Stück Geschichte umfassen und die Veränderungen, welche innerhalb einer bestimm- ten Frist in persönlichen und öffentlichen Angelegenheiten einge- treten sind, so anschaulich machen. Die jugendliche Priesterin er-

*) 0. Jahn, Darstellungen antiker Reliefs, welche sich auf Handel und Handwerker beziehen. Ber. d. S. G. d. W. 1864. S. 299. M. Fränkel, de verbis potioribus quibus opera statuaria Graeci notabant p. 39.

14 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

scheint hier als Witwe mit drei erwachsenen Söhnen von könig- lichem Range; Kyzikos ist eine zweite Heimath des thrakischen Fürstenhauses. Der regierende Cäsar ist als Hipparch der Eponymus der Gemeinde, und in derselben Stadt, welche sich unter Tiberius noch gegen den Cultus des Divus Augustus gesträubt hatte, ist der Cult des lebenden Reichsoberhaupts schon so im Schwünge, dass Caligula als Helios verehrt wird und seiner Schwester Dru- silla als der neuen Aphrodite unter Leitung der Antonia Festspiele in Kyzikos aufgeführt werden. Diese Verrichtung hängt wahr- scheinlich mit ihrem Priesterthum der Livia zusammen, da wir aus Dio erfahren, dass der Schwester Caligulas ganz dieselben Feste und Ehren zuerkannt wurden, wie sie für Livia angeordnet waren, das Vorbild aller vergötterten Kaiserinnen1).

Zu dem Feste der neuen Aphrodite, wahrscheinlich der ersten Feier, kommen die Söhne des Kotys und der Tryphaina nach Ko- zikos, als priesterliche Assistenten der Mutter (rwis^ov^y^rouTSQ) und als Festgäste. Ihre bevorstehende Ankunft ist der Anlass des vorliegenden Gemeindebeschlusses, der eine solenne Bewillkomm- nung von Seiten der Stadt verfügt; es ist ein ^v^piTixu r7tg Cnav- TYiTsüos, in welchem zugleich der Mutter, der langjährigen Mitbür- gerin und Wohlthäterin der Stadt, eine Huldigung dargebracht wird. Mutter und Sohn werden gemeinsam gelobt, der Empfang der Kö- nige an den Thoren durch Beamte, Priester und die von ihren Aufsehern geleitete Jugend wird vorgeschrieben und die Bitte hin- zugefügt, dass die königlichen Brüder die Stadt als ihre Stadt an- sehen und derselben ihr Wohlwollen schenken möchten.

Der Beschluss aber, auf den die ganze Urkunde hinzielt, wird durch eine sehr weitläuftige Motivirung eingeleitet, die nur darin ihre Erklärung findet, dass den thrakischen Fürsten kurz zuvor von Seiten Caligulas eine besondere Anerkennung zu Theil gewor- den sein muss, eine Anerkennung, welcher eine persönliche Be- rührung zwischen Caligula und den thrakischen Fürsten vorange- gangen zu sein scheint, da sie seine tvvt^o^ci und hrctioot genannt werden.

So erklärt sich die schwülstige Einleitung, welche in neun Zeilen von 20 die Stellung der Fürsten zum Reichsoberhaupte aus-

l) xcct oi ta Te aXka oaa tvJ Aiß/a £&s£oto si|/*]tJHa'<9-v] Cass. Dio LIX 11.

vom 5. Januar 1874. 15

einandersetzt. Sie zerfällt in zwei Theile. Im erstem, allgemei- nen wird die Herrschaft des Caligula beschrieben. Als neuer He- lios führt er die Weltherrschaft, bei deren Handhabung die Für- sten der Clientelstaaten ihm als Trabanten zur Seite stehn (&o- gvcpoooi rv\9 y\ys}xovtcco). Mit dem ihm eignen Glänze hat er auch sie mit zu beleuchten geruht (TwccuccXa^at r'S-gXijarei/), damit seine Majestät (to fAeyccXsTov) noch herrlicher hervorleuchte, indem der Abstand so gross ist, dass die Fürsten bei aller Anstrengung (xuv nctM iirtvoüocriv') ausser Stande seien einen entsprechenden Dank für das Empfangene ausfindig zu machen. So hat Caligula das ist der zweite und speciellere Theil der Einleitung die Söhne des Kotys, die seine Genossen geworden sind, in die er- erbten Fürstenthümer wieder eingesetzt, indem sie nun, zur Theil- nahme an der Weltherrschaft der Götter Qrwa^yja ty^ihovtmv Szuov) erhoben, ihre sämmtlichen Vorgänger weit überragen. Denn die durch göttliche Gnade verliehenen Herrschaften unterscheiden sich von den durch Erbfolge überkommenen wie der Tag von der Nacht und wie das Unverwesliche von der Natur des Vergänglichen.

Man sieht, dass es nicht an Versuchen gefehlt hat, den Gott- heitsschwindel des halbtollen Kaisers in eine Art von System zu bringen, dass griechische Rhetoren zu diesem Zwecke ein neues Legitimitätsprinzip aufgestellt und ein ganz neues Königthum von Gottes Gnaden gelehrt haben. In dieser Beziehüli^ ist also die weitschweifige und abgeschmackte Motivirung, die dem Dekret der Kyzikener vorangeht, immerhin ein merkwürdiges Aktenstück zur Zeitgeschichte.

Auch am Schlüsse derselben wird von Neuem, als wenn man besorge, irgend Jemand ausser dem Allgewaltigen ehren zu wol- len, als Inhalt des ganzen Dekrets an erster Stelle die sva-sßsia f, slg rov Xsßaa-röv angeführt.

So viel im Allgemeinen über den sachlichen Inhalt der beiden Dekrete.

Der Text lässt sich im Wesentlichen also herstellen, indem nur in der oberen Hälfte der ersten Inschrift bedeutende Lücken übrig bleiben, welche sich nicht mit Sicherheit ausfüllen lassen:

16 Sitzung der philosojihisch-historischen Klasse

III.

'E7t! Uuv<tuviov [innapyjsüo \XY\Vog QupyjqXtujvog zoo^sv tyi

ßcvXy hui Tim By^xoj o Bz7vu im AY^XYjTotov slnsv

ztvsi ^Avtuoviu Tpvcputvu ßuo-iXsuog Uo?.[ßixujvog hui ßuTtXiTT^g II v- 3"oöo,'otoo?] SvyotTYjo tov uluoviov tov fxsyia~~ o\y~\ S~sulv Ttßsptov "Xzßu-

5 crrov Kuirupog oIhov bioc TiuvTog svasßovTu o~vyHU*7ispu:T[e~\ ry

UoXucBt 'A&YjVa ccyuXfxu rr,g ixYjTpog uvtuv [7rupuXccß'] ov- o~u 7rctpcc TYJg noXswg IspYjTstuv uvTYj[g iv ty\ 7rzp[yTi~\? uyofxzi'Yj

CCTZXs'lU TWV IlcCl>u3'YlVUl[ü0v] 77UVTU \XZV TU TTOOg SVTzßztUV SsüüV

hutu to 13-0? ccvTvie EKnPEnftSOTONnOAAnNIEPO osv.

ty\ hz iixpvTw <piXuv$pwm<x Ttpog ts rovg iyyjjopiovg neu rovg ^zvovg

10 ly^OY^uTOy wg toov ^zvuov ixstu nur^g uTrohoyßg im ts zvts-

ßzicc hui c<rioTYjTi hui cpiXooohtcc' iv os 7<Z hut STo[g uyuovt? un\ovo~Ytg

\xzv ctVTYJg, 7Tuvtojv Sz o-vvtztsXzitixzvujv ZHKXzwg hutu ty\v ixelvY,g svrz-

ßsiUV, HUI TOOV U7T0 TYJg ['Ao-/fiC9 z\fX7tOpOJV Hai PiVÜJV TWV zXYjXv&O-

tujv slg ty]v 7rcwY,y'Joiv ßovXofxzvcjov uvu3~s7vut uvTvjg onXov sihovihov i[y tw t/rcw] hui Siu tovto i77sXYlXv3,o~ujv im ts ty)v ßovX^v hui tqv SyJiaov hui u^iowtuiv crvyyjwgYl3,Yii'at uvTo7g 7vqiyituo~^jui tyjv uvuS'stiv SzhoyS'ui ty\ ßovXy hui tuj S'yjixuj ar,jyH£eyjj}QYlo~$cct uvToig uvu3,s7- vui to o7rXov zv tw TYtg llo/^iuoog vuuj , zep o hui zmyoa\yuf oi uno TYJg 'Atriag ipyuo-TUi capziyjxzvot slg tyjv 7ruvY:yvpiv hui utzXsiuv ty,v 15 uyofJLzvYiV iv Kv^ihuj Totg XsßuTTeug hui ty[ HoXiuht 'ASyjVcc 'Avtujviuv Tpvcputvuv ßurtXzuog TloXsixuovog hui ßua-iXirarYjg Ilv&oütooiSog $iXoiay]to- aog SvyuTzgu hpyuv "Xsßuo-TYjg NsiHYiCpopov Siu ts ty;v nsot tov tov fxsytTTOv Szüüv Ttßsptov XsßuTTOV Kuiruoog oihov sCosßsiuv HUt Box. TY}v zv 7ruo~i crsiM'OTYjTu hui zig zuVTOvg svsoysTtuv.

IV.

'E7T* Tu'i'ov Kuirupog m7tuQ<yj-u) fx^vog QuoyYjXiwvog ivvuTY\ sSo£sv tuj ($YitJ.u) slr^yYjO-cqxzvujv tüov apypvTiDV ttuvtüiv' ypu\x\j.uTsvg ßovXYtg A'i'oXog AloXov Ou'ou\|/* Mso-^«? im MYjVocpüjvTog slnsv

i7ts\ o vzog'JHXiog Tu'iog Ku7ruo "Xeßcta-Tog Tspfxavixog a-jvuvuXuix^/ui Tuig iSlutg uvyuig hui Tug Sopvcfiooovg Tvjg Y\ys\xoviug y^zXyjTsv ßao-tX[si']a9t. wu uvtov to ;xsyuXs7ov tyJq ci&uvuo-iug hui zv tqvtuj vs\avotspov y ßu-

vom 5. Januar 1874. 17

5 o-tXsuou xau ircti'v smvoüotriv slg swy^ctoicrTiccu TYt7uxovTov •3'sov svgs7u io~ag ctjxoißag olg sv^oysTY^uTcti jxyj Svuctjxzuuüu, roCg Korvog §s nctiSctg ePotjxYr tuXx^u xai ilo/.sjJMua xai Kotvu, a-vuTootyovg xat sTaioovg savrw ysyo- vorotQ, slg rccg sx TvauTUou xai 7TDoyouujv avTo7g ocpstXojxsuag anoxct^z- y-axsu ßatrtXsiccg, oiag ryg äS'auaTov yäoircg ty]u äcpSouiau xagnov jj.su ot rav-q tmu Trci/.ca ixst^ousg, ort oi jj.su 7raoa TzaTsowv otccooyjqg e-o-you, cvtqi hs \ixT\ rqgTatov Kaia-aoog yjxoiTog slg a-vvaoyj.au TqXtxavtüJv Sswu 10 ysyoucoTi ßariXs7g, Sswu hs yaonsg tovtuj otacpsoovcrtv au&Qwirivüov ButSoy^u, w[c] uvxrog r/aog xcti ro acp&ao'ou &vYiTY,g cfivosuog' jxsydXwv ovv ysyovorsg jxsi^ousg xcti y.ajxnouüu S'avjxacrtüoTsaoi slg tyv Yjjxsrsoau

7TCiOUySlU0UTai 7T0?UU *liClJJYl7Ct}.XYjg XCtl HoXsjXMU CrVUlS00V0yrl<70VTSg' xcti (TVU-

sooTccTQvTsg ty\ jxyjqi , s7TiTS/,ovcrY\ Tovg TYt9 <Zrsag usag AcjioodsiT^g Aoova-iA/^g ayuouag, ov% oog sig cpiX^u jxouou, aX/^a xai üog sig yvv^iau

7TCiT0lSct3 OTt XCtl Yj ßoCflXstoV JXSU 3"VyC(TYj03 ßctO-tXsüÜU JXYjTYjD, Yj JXY,~ TYjü CtVTUJU LoVCfJaiUa TaVTYU YjyYifXSVYi 7TCtTaiOCt 01X0V TS T0 SCpSCTTlOU XCtl

15 ßio'J ro svrvyjsg ausjxs]<TYjTCig zus'Joai;xouY,a-ovo~a tsxu'jju ßaariXsiatg iv- TctvS'ct iSqvtcii, o Ss h^xog ySicr-YiU yjyovjxsvog 7Ytu zuoYjfxiau ctvTwv jxsrct TVCicr^g 7tD0'Crvjxiag ttootstci^s roig aoyjovcrt \^/Y\(pi<7jxcc VTrccvTYjCrsüog sicrYr yYjTctS,ai ctvTotg, Biov syyjxoiTTYjTovcri jj.sv In ctvroou tyj \xy{voi otv-ouv ToVCpCm'Yj, V17S0 U)U SVS0yiTs7u ßsßovXYi~Ctl TYjU 7ToXlV cpctvsü\ßi\u Bs xat

ty]u rov By,jxov slg ctdroug 7t'oi^<Tourai BictSscriv

ÜsBoyjS'Ctl TW ($Y)IXU) Z7TYjUYi5-3'ai TOVg ßnTtXsCtg 'PoiJXYjTCcXxYjV xcti Uo-

Xsixmucc xcti Kotvu xcti TYtu jXYjTsöci ctVTwu TavcpatvaV vno Bs tyju stca- 20 öov avTwu Tovg jxsu Isosig xai rag isosictg dvoi^aurctg rct TSjxiuy xcti 7rao<Txo?\j.YjJ-ctu7ctg rct ^octvct Tüju S"süuu sv^ctoSai jj.su vnsp tyj9 Yctiov ILcwragog alujuiav Bictjxou^g xcti TY\g tovtuju crMTYjOictg, 'Kv£iXYjuovg Ss TtctvTctg suöixuvjxsuovg ~y)u slg ctvTOvg svvotctu v~ctu7YiTctuTctg jxsrct twu

CtgyOU-UOU XCtl TüüU (rTSCpCtVYjCpOOMV^ CtCT7rct!7Ct3-S,Ctl TS XCtl tTVUYloS,YlUCtt XCtl

7r ctgcty.ctXsiu ctvTovg toiccu Yjysir^ai nctTüioct tyju ttcXiu xai ituutog ctlriovg ytusG-Scti ctvTYj ctyct&ov, uyayslu os stti ty,v \)tvuvty\tiu xcti tov icpYjßcto- yjiu rovg scpYjßovg xcti tou ttuiBouojxou rovg sXsvS-sgovg 7ra7$ctg' to Ss

v/YityiTjxct siucti Ttsüi ts svcrsßsictg TYtg slg rou ~sßctcr~ou xcti TYJg slg

\ n «, t ~

25 Tovg pourtA&ctg TstjXY.g.

[1874]

18 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

Im Einzelnen bleibt zu den Inschriften nur wenig zu bemerken übrig.

Die Eingangsformeln beider Urkunden entsprechen denen der bekannten Inschriften von Kyzikos. Aber auch hier bringen sie neue Belehrung, welche den im Corpus Inscr. Gr. veröffentlichten zu Gute kommt. N. 3657 las Böckh ' A.?x'kYl'mdhYlg AtoÜwgov Atyixooevg \xiTYjQ (ex media trittye) im Msvsa-B'&wg slnsv und versuchte sogar Menestheus als Namen eines Trittyarchen aufzufassen. Jetzt ist klar, dass Mscnjc der Name des Antragstellers ist, und zwar dessel- ben, der das zweite unserer Dekrete beantragt hat, und dass n. 3657 vor " hJrxkYmxa^Yfi im Texte y^a^MtrsCg rvjg ßovX^g ausge- fallen sein muss. Endlich wird die Formel 6 Bs7va im rov Sslvog sIttsu durch den Wortlaut unserer beiden Urkunden bestätigt und damit eine Eigentümlichkeit des kyzikenischen Dekretformulars, welche bis jetzt nicht bekannt war. Es muss damit der Beamte gemeint sein, welcher an dem Tage, da der Antrag gestellt wurde, den Vorsitz in der Volksversammlung hatte. Beachtenswerth ist auch der Umstand, dass bei dem zweiten Dekrete die Initiative von der Gemeinde ausgegangen ist; daher heisst es nur sSo^s rw SyjiJiw; es war also kein TrgoßovXsviAec des Senats vorausgegangen. Damit stimmt 1. 15: c SyJjj.oq trgorsTci^s -oig a^yoxxri •^/^(pitTiMc sity,- yr'j-a^ai, wodurch wiederum 1. 2 das st<7rlyYjcra\j.Lvwv tüov aoyJvTüov tiuvt'jov erklärt wird. Auf unregelmässigc Hergänge im öffentlichen Leben der Kyzikener, wie sie um die Zeit der Cäsaren vorkamen, deutet auch C. I. Gr. 3658 : zSo^s roig 7ro?.lraig3 woraus hervor- geht, dass auch unlegitimirte Concionen unter Umständen die le- gislative Initiative sich anmassten.

In Bezug auf die äussere Form der praescripta bemerke ich, dass im zweiten Dekret nach sIttsp absichtlich eine Lücke von zwei Stellen gelassen ist, welche dazu dienen soll, die praescripta von dem Dekret für das Auge zu sondern.

III 1. 6 weiss ich nicht anders zu erklären als dass IIEP— T für 7TsgvTi geschrieben ist (wie man das Wort noch jetzt im Neu- griechischen zweisilbig aussprechen hört) und oeyouzvy für ocyßrsicry.

Die folgende Zeile ist mir durchaus unverständlich EKÜPEII^- XOTONriOAAl2NIEPO worauf der Anfang eines T folgt, also Isgovgy . . .

An einigen Stellen ist kaum zu entscheiden, ob Nachlässig- keiten des Stils oder Schreibfehler anzunehmen sind; so IV 8:

vom 5. Januar 1874. 19

TTctooi nccrzguiv SictBcyßg und IV 9: ryjg Ta'iov Ka!<rctgog %ugi-og3 wo ich vermuthungsweise ein in eingeschoben habe.

Es kann nicht meine Absicht sein, mit der ersten Veröffent- lichung der kyzikenischen Dekrete eine vollständige Verwerthung derselben für die Geschichte verbinden zu wollen; eine Aufgabe, wel- che um so schwieriger ist, weil uns die Inschriften einerseits viel neues Material darbieten, andererseits aber so vereinzelte Thatsachen, dass jeder Versuch, dieselben zur Aufhellung der Zeitgeschichte zu benutzen, wieder neue Schwierigkeiten und Probleme aufzeigt.

Die enge Verbindung zwischen Kyzikos und der thrakischen Dynastie, die wir aus den Inschriften kennen lernen, eine Verbin- dung, welche offenbar von beiden Seiten und in beiderseitigem In- teresse mit grossem Eifer gepflegt wurde, lässt uns vermuthen, dass die Sapäerdynastie des römischen Schutzes und der überschwäng- lich gepriesenen Kaisergunst ungeachtet sich in Thrakien unheim- lich und unsicher fühlte. Daher hatte sich die Königin -Wittwe Try- phaina eine nahe gelegene Griechenstadt ausgewählt, um hier einen friedlichen Herd zu haben, wo sie sich unangefochten an dem Glanz ihres Hauses erfreuen könne. Das ist etwa der Sinn des IV, 14 ff. in sehr gezierter Weise Ausgedrückten tcivtyjv vjyyr (xevYi ffct-gidcc otnov rs ro zq^zcr-icu neu piov to svrvy^sg avsfxsTYjToig susvBai!A.oi'y;TQVJ-cc tsxvüüv ,ßcccriAsic<ig iuraCB'ci iSovrcci. Darum wird auch den Söhnen angeboten, sie möchten nach der Mutter Vorbild Kyzikos als ihre eigentliche Heimath ansehen.

Die Genealogie der Sapäer ist durch eine Gruppe von Namen bereichert, aber für die Geschichte derselben fehlt es noch an ge- nügender Aufklärung.

Nach dem Zeugnisse Strabos ist von den Söhnen des Kotys der älteste, den er nicht nennt, dem Vater in der Regierung ge- folgt. Der Alteste war nach unserer Inschrift Rhoimetalkes. Die- ser muss also, als Strabo schrieb, zur Zeit des Tiberius (und zwar vor dem Jahre der Stadt 778, in welchem das von ihm als Freistadt erwähnte Kyzikos seine Freiheit einbüsste), wenn auch noch unmündig, Fürst in Thrakien gewesen sein; dann erfolgte eine neue Unterbrechung; denn, wie die Inschrift bezeugt, sind die Brüder durch Caligula von Neuem eingesetzt worden.

Unmittelbar darauf müssen aber diese Verhältnisse vollständig umgestaltet worden sein, indem Kotys als Fürst nach Klein-Arme- nien versetzt wurde. Ob damit der auffallende Umstand zusam-

2*

20 Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

menhängt, dass nur die beiden anderen Söhne als in Kyzikos an- wesende Gäste erwähnt werden, lässt sich natürlich nicht ent- scheiden.

In Thrakien scheint man aber die kleinen Theilfürstenthümer als unhaltbar erkannt zu haben, indem gleichzeitig der Besitz des Kotys an Rhoimetalkes übertragen wurde , in welchem wir auch jetzt, nachdem ein zweiter dieses Namens aufgetaucht ist, doch nur den Sohn des Rheskuporis erkennen dürfen, so dass die ganze durch Tiberius neu eingeführte Theilung vollständig aufgehoben wurde.

Die Brüder des Kotys sind also gleich nach der Zeit der Inschrift vollständig verschollen; ein anschauliches Bild von der ephemeren Herrlichkeit jener Fürsten, die nach Laune des Macht- habers erhoben und fallen gelassen oder wie Satrapen im Reiche umher geschickt wurden.

Eine andere Frage, die sich aufdrängt, ist die, ob sich von Antonia Tryphaina, welche jetzt zum ersten Male aus völliger Ver- gessenheit hervorgetreten ist, andere Spuren in der geschichtlichen Überlieferung nachweisen lassen.

Bekanntlich sind zwei Silbermünzen einer Königin Tryphai- na nachgewiesen worden, beide auf der Vorderseite mit Inschrift und Brustbild Polemon's, von denen die eine auf der Rückseite Brustbild und Aufschrift, die andere nur die Aufschrift Baa-iAtTT^g Tpjcjiaivyg trägt (v. Sallet Beiträge zur Gesch. und Numism. der Könige des Bosp. und Pontus S. 76). Visconti (Icon. Gr. II p. 201) schloss aus dem Namen, dass sie eine Tochter Juba's II und der Kleopatra Selene sei, und alle Numismatiker haben sie für die erste Gemalin Polemon's II vor seiner Vermälung mit Berenike gehalten. Beide Annahmen entbehren aber jeder Begründung. Da wir also jetzt eine Königin Tryphaina im Hause der Zenoniden nachweisen können, so werden wir annehmen, dass auch' die auf den Münzen genannte keine andere gewesen sei und dass Polemon, der letzte König von Bosporos und Pontus, nicht seine Gattin, sondern seine Schwester Antonia Try- phaina durch jene Münzen geehrt habe. Der Cultus der Schwester- liebe gehörte auch zu den durch die Cäsaren begünstigten Moden jener Zeit.

vom 5. Januar 1874. 21

Hr. Weber legte eine Mittheilung des Hrn. Stenzler in Breslau, corresp. Mitgliedes der Academie, vom 1. Januar d J. vor.

Über Nilakantha^ Rösselsprung.

Weber hat in dein Monatsberichte vom 3. Nov. 1873 p. 728 735 drei Arten des Rösselsprunges aus Nilakantha 's Nitimayiikha mitgetheilt, und die Erklärung der beiden ersten Arten beigefügt. Die dritte aber blieb ihm „ein reines Räthsel" (p. 733). Eine Lösung dieses Räthsels dürfte daher wohl hier an der Stelle sein.

Da ich mit Hülfe der p. 732 mitgetheilten Überlieferung der Handschriften den Text an einigen Stellen anders herstelle, so er- scheint es zweckmässig, den ganzen Text, wie ich ihn für richtig halte, hier noch einmal wieder zu geben. Die Interpunction, wel- che von mir herrührt, findet ihre Begründung in der unten folgen- den Erklärung des Textes.

I atha mdmakah prakdrali I ddyam . vasv-ekam . ashta-dvi . gikhi-vidhu padam .

vahnijam . nandax) - samjnam . nandai-kam . panca-yugmam . gara- haranayanam .

kha-' 'gugam . tri - triyuktam I agva-dvi . vyoma- candram . yugamitam . udurdd-

akshi . shat-tri2). tri-panco . 'pdntyamzK vasv-abdhi . bhümi-jvalanam . udadhi-ku .

dvairadam . tri-dvi . shashtham 4) II shat- candram . netra-yugmam . munijam . udadhi-drin .

nanda 5)- vahny . dcugd -'bdhi . vyoma- rtv . abdhi-'shu . ce'ttham® punar anayad ito

vdjinam Nilakanthah II

D so B statt nandi A.C. 2) ?shadbhi A, shadri B, padrl C. 3) upantyam schreibe ich statt updntye ABC. 4) W. tri dvisha- shlam. ^ ? damdramda A, dantada B, dapehda C. drin ist We- ber's nachträgliche Correktur, die gewiss das Richtige trifft; dac- chada verstösst gegen das Metrum. 6) ich schreibe ca statt des der Handschriften.

Dass die Wörter der obigen Verse in bekannter Weise Zah- len ausdrücken, hat W. bereits bemerkt. Das Wort dcuga nimmt

22

Sitzung der philosophisch-historischen Klasse

er aber in einer mir unbekannten Bedeutung: Ross (7); ich nehme es in der gewöhnlichen Bedeutung: Pfeil (5).

Der Sinn der Verse ist nun folgender.

Nilakantha benennt die Felder des Schachbrettes, in horizon- talen Reihen von links nach rechts zählend, mit den Zahlen von 1 bis 64, und giebt 32 Felder an, auf welche das Rössel, vom ersten Felde beginnend, der Reihe nach springen soll. Mit dem 33 sten Sprunge gelangt es auf das Feld 64 und berührt dann die zweite Hälfte der Felder genau in derselben Reihenfolge rückwärts, in welcher es die erste Hälfte berührt hat. Die 32 Felder be- zeichnet nun Nilakantha in folgender Weise:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16,

Feld ddyam 1

vasv-ekam 18

ashta-dvi 28

cikhi-vidhu 13

vahnijam

nandasamjnam ....

nandai-kam

.... 3

.... 9

.... 19

panca-yugmam 25

gara-haranayanam .... 35

khd-'gugam 50

tri-triyuktam 33

agva-dvi 27

vyoma-candram 10

yugamitam 4

udurdd-akshi 21

shat-tri 36

Feld

17. Iri-panca 53

18. updntyam 63

19. vasv-abdhi 48

20. bhiimi-jvalanam 31

21. udadhi-ku 14

22. dvairadam 8

23. tri-dvi 23

24. shashtham 6

25. shat-candram 16

26. netra-yugmam 22

27. munijam 7

28. udadhi-drig 24

29. nanda-vahni 39

30. dcugd-'bdhi 45

31. vyoma-rtu 60

32. abdhi-shu 54

Hieraus ergiebt sich folgende Zeichnung:

vom ö. Januar 1874.

23

1.

1

5

14

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